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Sprich dich aus, lass dir helfen
– die Nummer gegen Kummer

Abgeschlossenes mehrsprachiges Beratungs- und Entlastungsangebot

Bild: „Smartphone“ von Georgijevic, iStock

Ausgangslage und Projektidee

Das Leben in einem neuen Land kann mit vielfältigen Unsicherheiten, Belastungen und Orientierungsfragen verbunden sein. Sprachliche Barrieren, ein unbekanntes Verwaltungs- und Hilfesystem, asyl- oder aufenthaltsrechtliche Unsicherheiten, soziale Isolation und fehlende vertraute Ansprechpersonen können den Alltag zusätzlich erschweren.

Gerade in solchen Situationen ist es wichtig, unkompliziert jemanden erreichen zu können, der zuhört, sprachlich und kulturell versteht und erste Orientierung bietet. Viele Fragen entstehen nicht erst in offiziellen Beratungsterminen, sondern im Alltag: bei Briefen, Behördenkontakten, Wohnungsfragen, Arbeitssuche, familiären Belastungen, kulturellen Unsicherheiten oder dem Wunsch, sich einfach auszusprechen.

Mit dem Projekt „Sprich dich aus, lass dir helfen – die Nummer gegen Kummer“ schuf Impuls Rhein-Main e.V. ein niedrigschwelliges, mehrsprachiges Beratungs- und Gesprächsangebot für Menschen mit Fluchterfahrung. Ziel war es, Ratsuchenden einen vertraulichen Zugang zu muttersprachlicher Unterstützung, alltagspraktischer Orientierung und psychosozialer Entlastung zu ermöglichen.

Mehrsprachige Beratung als niedrigschwelliger Zugang

Das Beratungstelefon bot die Möglichkeit, Fragen anonym, vertraulich und in einer vertrauten Sprache zu besprechen. Dadurch konnten auch Menschen erreicht werden, die reguläre Beratungsstellen aufgrund sprachlicher Hürden, Unsicherheit, Scham oder fehlender Orientierung im Hilfesystem nicht ohne Weiteres in Anspruch genommen hätten.

Die Themen der Gespräche waren bewusst offen angelegt. Ratsuchende konnten sich mit alltäglichen Lebensfragen, privaten Belastungen, Unsicherheiten im Umgang mit Behörden oder kulturellen Fragen ebenso melden wie mit Anliegen zur beruflichen Orientierung, Arbeitssuche, Bewerbung oder Ausbildung.

Durch die mehrsprachige Ausrichtung konnte ein verstehender Zugang geschaffen werden. Beratung in der Muttersprache erleichtert es, komplexe Anliegen genauer zu schildern, Missverständnisse zu vermeiden und emotionale Belastungen differenzierter auszudrücken. Gleichzeitig konnten bei Bedarf passende Unterstützungsangebote, Fachstellen oder Hilfen im näheren Umfeld vermittelt werden.

Fachlicher Ansatz

„Sprich dich aus, lass dir helfen“ war als niedrigschwelliges, muttersprachliches Gesprächs- und Entlastungsangebot angelegt. Fachlich knüpfte das Projekt an psychosoziale Erstentlastung, lebensweltorientierte Unterstützung, kultursensible Kommunikation und vertrauliche Gesprächsangebote an.

Im Mittelpunkt stand die Möglichkeit, Sorgen, Unsicherheiten und belastende Alltagssituationen in einer vertrauten Sprache aussprechen zu können. Gerade für Menschen mit Fluchterfahrung, die mit sprachlichen Barrieren, unsicherem Aufenthaltsstatus, Isolation oder fehlenden vertrauten Ansprechpersonen konfrontiert waren, konnte ein solches Angebot entlastend und stabilisierend wirken.

Die anonyme und vertrauliche Ausrichtung senkte Zugangshürden und schuf einen geschützten Rahmen für Themen, die im Alltag häufig unausgesprochen bleiben. Das offene Ohr, die muttersprachliche Verständigung und die kulturelle Anschlussfähigkeit ermöglichten es, Belastungen einzuordnen, erste Orientierung zu gewinnen und sich in schwierigen Momenten nicht allein gelassen zu fühlen.

Bei Bedarf konnten weiterführende Unterstützungsmöglichkeiten oder geeignete Fachstellen benannt werden. Diese Weitervermittlung stand jedoch nicht als formalisierter Beratungsprozess im Mittelpunkt, sondern ergänzte das zentrale Anliegen des Projekts: Menschen in belastenden Situationen erreichbar, verständlich und vertraulich zur Seite zu stehen.

Weiterentwicklung des Projektansatzes

Das Beratungstelefon wurde 2019 aufgebaut und im Laufe der Zeit bedarfsorientiert weiterentwickelt. Die Erfahrungen aus der Umsetzung zeigten, dass muttersprachliche, vertrauliche und niedrigschwellige Gesprächsangebote für viele Menschen nicht nur in akuten Belastungssituationen, sondern auch als kontinuierlicher Zugang zu Austausch, Orientierung und sozialer Verbindung bedeutsam sein können.

Auf dieser Grundlage wurden zentrale Elemente des Projekts später in weiterführende Austausch- und Begegnungsformate übertragen. Dabei blieb der ursprüngliche Gedanke erhalten, Menschen einen geschützten Raum zu eröffnen, in dem sie Sorgen, Erfahrungen und Fragen in vertrauter Sprache teilen und sich verstanden fühlen können.

„Sprich dich aus, lass dir helfen“ bildet damit einen wichtigen Erfahrungsbaustein für Angebote, die muttersprachliche Verständigung, psychosoziale Entlastung, Austausch und soziale Verbundenheit miteinander verbinden.

Projektinformationen

Status: abgeschlossen
Laufzeit: 2019–2021
Format: anonymes und vertrauliches mehrsprachiges Beratungstelefon mit telefonischer, digitaler und schriftlicher Kontaktmöglichkeit
Zielgruppe: Menschen mit Fluchterfahrung und Unterstützungsbedarf bei alltäglichen, psychosozialen oder beruflichen Fragen
Sprachen: Farsi/Dari, Türkisch, Urdu, Paschtu, Englisch, Französisch, Arabisch und Deutsch
Schwerpunkte: muttersprachliche Beratung, psychosoziale Entlastung, Alltagsorientierung, Vertraulichkeit, niedrigschwellige Erreichbarkeit und Weitervermittlung

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