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In Stein gemeißelt
– Emotion trifft auf Stein

Abgeschlossenes handwerklich-künstlerisches Begegnungs- und Reflexionsprojekt

Ausgangslage und Projektidee

In einer schnelllebigen, konsum- und leistungsorientierten Gesellschaft bleibt häufig wenig Raum zum Innehalten. Zwischen Verpflichtungen, Erwartungen und den Anforderungen des Alltags kann das Gefühl für die eigenen Gedanken, Bedürfnisse und Empfindungen verloren gehen.

Dabei sind die Fragen, wer wir sind, was wir brauchen, was uns Kraft gibt und was uns wirklich erfüllt, von grundlegender Bedeutung. Die bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Erleben kann Menschen dabei unterstützen, sich selbst besser wahrzunehmen, persönliche Bedürfnisse einzuordnen und einen wertschätzenden Umgang mit sich selbst zu entwickeln.

Mit dem Projekt „In Stein gemeißelt – Emotion trifft auf Stein“ schuf Impuls Rhein-Main e.V. einen handwerklich-künstlerischen Erfahrungsraum, in dem Menschen entschleunigen, sich kreativ ausdrücken und sich auf besondere Weise mit sich selbst und anderen auseinandersetzen konnten.

Dabei ging es um weit mehr als handwerkliche oder künstlerische Betätigung. Die Arbeit am Stein wurde zu einem Prozess des Wahrnehmens, Gestaltens, Reflektierens und Experimentierens.

Stein als Ausdrucks- und Erfahrungsraum

Im Mittelpunkt des Projekts stand die traditionelle Arbeit mit Hammer und Meißel. Unter fachlicher Anleitung wurden Steine ausgewählt, bearbeitet und schrittweise in eine individuelle Form gebracht.

Jeder Stein besitzt eine eigene Struktur, Form, Beschaffenheit und Geschichte. Ebenso bringt jeder Mensch persönliche Erfahrungen, Gefühle, Vorstellungen und Lebensgeschichten mit. Im Gestaltungsprozess begegneten sich diese beiden Ebenen. Die Geschichte des Steins und die Erfahrungen der bearbeitenden Person verbanden sich in einer individuellen Form, einem persönlichen Werkstück und einer neu gemeißelten Geschichte.

Der Stein gab dabei nicht einfach eine Form vor. Er forderte Aufmerksamkeit, Geduld und einen bewussten Umgang mit dem Material. Die Teilnehmenden mussten wahrnehmen, ausprobieren, Entscheidungen treffen und immer wieder auf die Reaktion des Steins eingehen. So entstand ein Prozess, in dem handwerkliches Tun, sinnliches Erleben, persönliche Reflexion und kreativer Ausdruck miteinander verbunden wurden.

Die konzentrierte und ausdauernde Arbeit am Stein eröffnete Raum zum Innehalten, Wahrnehmen und Gestalten. Der Widerstand des Materials erforderte Kraft, Geduld und die Bereitschaft, das eigene Vorgehen immer wieder anzupassen. Dadurch konnten innere Anspannung und Energie in einen konstruktiven, schöpferischen Prozess überführt werden. Zugleich wurde erfahrbar, dass Veränderung Zeit benötigt und durch Beharrlichkeit und eigenes Handeln sichtbar werden kann. Das gemeinsame Arbeiten ermöglichte darüber hinaus Begegnung, gegenseitige Wahrnehmung und gemeinschaftliches Lernen – auch dort, wo Worte zunächst nicht im Vordergrund standen.

Fachliche Anleitung

Das Projekt wurde fachlich durch einen ausgebildeten Steinmetz und Steinbildhauer angeleitet. Dadurch konnten handwerkliche Sicherheit, ein sachgerechter Umgang mit Werkzeugen und Materialien sowie eine fundierte Begleitung des Gestaltungsprozesses gewährleistet werden.

Fachlicher Ansatz

„In Stein gemeißelt“ war ressourcenorientiert, handlungsorientiert und erfahrungsbezogen ausgerichtet. Im Mittelpunkt standen die individuellen Ausdrucksmöglichkeiten, Fähigkeiten und Entwicklungspotenziale der Teilnehmenden.

Die praktische Arbeit mit dem Stein ermöglichte einen niedrigschwelligen Zugang. Für die Teilnahme waren weder besondere sprachliche Voraussetzungen noch handwerkliche oder künstlerische Vorerfahrungen erforderlich. Persönliche Gedanken und Erfahrungen mussten nicht unmittelbar benannt oder sprachlich bearbeitet werden, sondern konnten auch im praktischen Tun, im Umgang mit dem Material und im entstehenden Werkstück Ausdruck finden.

Der Projektansatz verband kreative Gestaltung, handwerkliches Lernen, körperliche Erfahrung, Selbstwahrnehmung und soziale Begegnung. Dadurch entstanden unterschiedliche Zugänge, die sowohl individuelle Entwicklungsprozesse als auch gemeinschaftliches Lernen und gegenseitige Wahrnehmung unterstützen konnten.

Weiterentwicklung des Projektansatzes

Das Projekt wurde von 2020 bis 2023 durchgeführt. Die während dieser Zeit gewonnenen Erfahrungen zeigten, dass die Arbeit mit Stein vielfältige Zugänge zu Selbstwahrnehmung, Ausdruck, Verbindlichkeit und sozialem Lernen eröffnen kann.

Nach Abschluss des ursprünglichen Projekts wurden die erprobten Ansätze fachlich weiterentwickelt und für die Präventions- und Jugendsozialarbeit nutzbar gemacht. In Kooperation mit Kommune 2010 wurde auf deren Gelände ein eigener Werkraum eingerichtet, der geeignete räumliche und handwerkliche Bedingungen für die weitere Umsetzung bietet.

Dort können junge Menschen unter fachlicher Anleitung praktisch und kreativ mit dem Material Stein arbeiten. Der Werkraum schafft einen geschützten Rahmen, in dem handwerkliches Lernen, Beziehungsgestaltung, Verantwortungsübernahme und soziale Erfahrungen miteinander verbunden werden können.

Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die Stärkung von Selbstwirksamkeit, Konzentration und Frustrationstoleranz, der konstruktive Umgang mit Kraft und Anspannung sowie die Erfahrung, durch eigenes Handeln sichtbare Veränderungen bewirken zu können.

Die handwerklich-künstlerische Arbeit kann jungen Menschen einen Zugang eröffnen, der weniger sprach- und problemorientiert ist als klassische Gesprächsformate. Über das gemeinsame Tun können Beziehungen aufgebaut, Verantwortung übernommen, eigene Grenzen wahrgenommen und persönliche Fähigkeiten unmittelbar sichtbar gemacht werden.

So wirken die Erfahrungen aus „In Stein gemeißelt“ über die ursprüngliche Projektlaufzeit hinaus weiter. Aus einem generationsübergreifenden Kreativ- und Begegnungsprojekt entwickelte sich ein methodischer Ansatz, der heute in der Präventions- und Jugendsozialarbeit weitergeführt wird.

Projektinformationen

Status: abgeschlossen
Laufzeit: 2020–2023
Format: fachlich angeleitete handwerklich-künstlerische Einzel- und Gruppenarbeit
Zielgruppen: Jugendliche, Erwachsene und Familien
Fachliche Anleitung: ausgebildeter Steinmetz und Steinbildhauer
Schwerpunkte: kreativer Ausdruck, Selbstwahrnehmung, Entschleunigung, Selbstwirksamkeit, Konzentration, Frustrationstoleranz, Begegnung und soziales Lernen

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