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Durch meine Linse
– die Welt durch die Linse

Abgeschlossenes fotografie- und reflexionsorientiertes Kreativprojekt

Bild: Impuls Rhein-Main e.V.

Ausgangslage und Projektidee

Fotografie eröffnet die Möglichkeit, die eigene Umgebung, vertraute Orte und persönliche Erfahrungen aus einem neuen Blickwinkel wahrzunehmen. Sie kann helfen, innezuhalten, genauer hinzusehen und Gedanken oder Gefühle sichtbar zu machen, für die Worte manchmal fehlen.

Gerade für Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung kann der Blick auf die neue Umgebung von vielen unterschiedlichen Empfindungen geprägt sein: Unsicherheit, Neugier, Fremdheit, Erinnerung, Suche nach Orientierung und der Wunsch, einen eigenen Platz zu finden. Ankommen bedeutet nicht nur, neue Strukturen kennenzulernen, sondern auch, eine Beziehung zur Umgebung, zu anderen Menschen und zur eigenen Lebensgeschichte zu entwickeln.

Mit dem Projekt „Durch meine Linse– die Welt durch die Linse“ schuf Impuls Rhein-Main e.V. einen kreativen Erfahrungsraum, in dem Fotografie als Medium der Wahrnehmung, des Ausdrucks und der Reflexion genutzt wurde. Die Teilnehmenden wurden eingeladen, ihre Umgebung bewusst wahrzunehmen, eigene Blickwinkel zu entdecken und persönliche Perspektiven sichtbar zu machen.

Fotografie als Ausdrucks- und Reflexionsraum

Fotografie eignet sich in besonderer Weise als niedrigschwelliger Zugang zu Wahrnehmung, Ausdruck und Reflexion. Sie ermöglicht es, die eigene Umgebung bewusster zu betrachten, Details wahrzunehmen und persönliche Bedeutungen sichtbar zu machen, die im Alltag häufig übersehen werden.

Anders als rein sprachliche Formate eröffnet Fotografie einen visuellen Ausdrucksraum, der nicht ausschließlich auf Sprache angewiesen ist. Gedanken, Gefühle, Erinnerungen oder innere Suchbewegungen müssen nicht sofort erklärt oder in Worte gefasst werden, sondern können zunächst über Motive, Ausschnitte, Perspektiven, Licht, Nähe und Distanz sichtbar werden. Dadurch entsteht ein Zugang, der besonders dort hilfreich sein kann, wo Sprache, Unsicherheit oder belastende Erfahrungen den direkten Ausdruck erschweren.

Zugleich schafft Fotografie eine Form von Abstand. Wer ein Motiv auswählt, entscheidet bewusst, was gezeigt wird, was außerhalb des Bildes bleibt und aus welcher Perspektive etwas sichtbar wird. Diese Entscheidungen können helfen, eigene Wahrnehmungen zu ordnen, Erfahrungen zu reflektieren und neue Sichtweisen auf sich selbst, andere Menschen und die Umgebung zu entwickeln.

In der gemeinsamen Betrachtung von Fotos entsteht darüber hinaus ein geschützter Anlass für Austausch. Ein Bild kann Gespräche eröffnen, ohne dass persönliche Themen unmittelbar benannt werden müssen. Unterschiedliche Sichtweisen werden sichtbar und können nebeneinanderstehen. So wird Fotografie zu einem Medium, das Selbstwahrnehmung, Ausdrucksfähigkeit, Perspektivwechsel und soziale Begegnung miteinander verbindet.

Fachlicher Ansatz

„Durch meine Linse“ war kreativpädagogisch, ressourcenorientiert und teilhabeorientiert ausgerichtet. Der Projektansatz nutzte Fotografie als Methode ästhetischer Bildung, um Wahrnehmung, Ausdrucksfähigkeit und soziale Kommunikation miteinander zu verbinden.

Der Ansatz verband Elemente ästhetischer Praxis, Biografiearbeit, Sozialraumorientierung und dialogischer Reflexion. Die Teilnehmenden setzten sich mit ihrer Umgebung, ihren Blickwinkeln und eigenen Deutungen auseinander. Dadurch konnten Fragen von Ankommen, Zugehörigkeit, Identität und persönlicher Perspektive niedrigschwellig aufgegriffen werden.

Die gemeinsame Betrachtung der entstandenen Bilder eröffnete einen fachlich begleiteten Reflexionsraum. Unterschiedliche Sichtweisen konnten sichtbar gemacht, besprochen und zueinander in Beziehung gesetzt werden. So förderte das Projekt nicht nur gestalterische Fähigkeiten, sondern auch Selbstwahrnehmung, Perspektivübernahme, gegenseitiges Verstehen und soziale Teilhabe.

Weiterentwicklung des Projektansatzes

Das Projekt wurde von 2020 bis 2024 durchgeführt. Die Erfahrungen aus der Projektumsetzung wurden nach Abschluss fachlich ausgewertet und in die konzeptionelle Entwicklung dialog-, kreativ- und reflexionsorientierter Angebote einbezogen.

Dabei wurden insbesondere die methodischen Potenziale fotografischer Arbeit für Wahrnehmungsförderung, Perspektivübernahme, Selbstverortung und sozialräumliche Reflexion aufgegriffen.

„Durch meine Linse“ bildet damit einen Erfahrungsbaustein für die Entwicklung von Angeboten, die ästhetische Praxis, persönliche Reflexion und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verbinden.

Projektinformationen

Status: abgeschlossen
Laufzeit: 2020–2024
Format: fotografie- und reflexionsorientierte Workshops
Zielgruppe: Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung
Schwerpunkte: Wahrnehmungsförderung, visueller Ausdruck, Selbstreflexion, Durch meine Linse, sozialräumliche Orientierung und Teilhabe

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